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Predigten

Hatten Sie auch schon den Wunsch, sich mit einzelnen Predigtthemen auch noch nach dem Gottesdienst vertieft zu beschäftigen. Nachfolgend werden aus diesem Grund einzelne Predigten veröffentlicht, welche in der letzten Zeit in unserer Pfarrkirche gehalten worden sind.
 


Predigtgedanken von Andrea Koster Stadler aus dem Gedenkgottesdienst Frauenbund vom 17. November 2015

Der Friedhof ist ein ganz spezieller Ort in unserm Städtli.  Hier besuchen viele Menschen die Gräber von Verstorbenen, mit denen sie verbunden sind.

Das Verweilen am Grab ist darin ein Innehalten – ein Zeit nehmen – ja ein innerliches Verbinden mit der erlebten Beziehungsgeschichte des Verstorbenen mit seinem eigenen Leben. Auch aller Trennungsschmerz und alle Trauer hat hier einen Ort. Immer und immer wieder finden so Menschen zu einem bestimmten Grab. In diesem Besuchen pflegen sie diese Beziehung zum Verstorbenen weiter – jetzt gewandelt im Angesicht des Grabes. Ein Ort der  Tränen und des Herzschmerzes. Heilsam kann dieser Grabbesuch auf die Trauernden wirken, wenn nach und nach die Wunden des Todes heilen und die Dankbarkeit für die geschenkte Zeit ihres Lebens wächst. Ein Friedhof -  wie’s das Wort ausdrückt ist, findet sich darin der Wunsch nach Frieden, verbunden mit einem Hof, respektive Ort, wo dieser Friede geschützt ist, ja spürbar wird!

 

 

Der Friedhof ist noch viel mehr: So ein Treffpunkt – ein Ort der Begegnung im ganz gewöhnlichen Alltag

 

Für mich, die ich die letzten 35 Jahren immer direkt neben dem Friedhof zusammen mit den friedlichsten aller Nachbarn leben durfte, hat dieser Ort eine ganz besondere Bedeutung und Ausstrahlung, ja fast schon Anziehungskraft bekommen.

 

Der Friedhof ist für mich ein Ort des Lebens!

 

Dies erlebe ich wirklich in seiner vollen Kraft und Lebendigkeit. So viele Begegnungen habe ich schon erleben dürfen, Gespräche, Umarmungen Tränen und Trost und auch ganz Alltägliches, Leben eben.

Alle Generationen treffen sich hier in jeder Jahreszeit und zu (fast) jeder Tageszeit.

Die Natur zeigt sich uns auf dem Friedhof in allen Farben und Faszetten in voller Blust oder schön Hergerichtet als Dekoration!

 

Und in der Nacht bevor ich ins Bett gehe streifen meine Augen und meine Seele immer über die unzähligen Lichter.

 

So viele Menschen verbinden sich mit ihren lieben Verstorbenen im Licht der Auferstehungskraft!

 

Und ich setzte mich immer wieder sehr gerne ans Grab meiner beiden Mütter und habe Zeit einfach nur für Erinnerungen und Warten auf Antworten meiner Fragen…

 

Oder unsere Kinder, die eine ganz spezielle Verbundenheit mit dem Friedhof lebten, nebst den Bäseli einsammeln von den Weihwassergeschirren.

 

Sie spürten z.B. immer wenn eine verstorbene Person in der Totenkapelle aufgebahrt war. Ohne dass wir etwas sagten, wollten sie jeweils immer auf dem Heimweg der Person ade sagen. So äusserte sich unser damals zweieinhalb jährige Sohn, wenn denn d‘Frau Botta fertig gstorbe het isch sie de im Himmu?

 

So weist uns der Friedhof bereits auf die nächste Dimension hin, lädt uns ein uns mit unserm Leben und Weiterleben zu beschäftigen.

 

Der Friedhof, der Gottes Acker, in dem sich das Leben verwurzelt und aus dessen Erde neues Leben geboren wird, wie es die Indianer ausdrücken aus Gaya der Mutter Erdenschoss gebiert sie neues Leben.

 

Gibt es wohl darum den alten Hinweis für junge Frauen, wenn sie schwanger werden möchten, sollen sie häufig den Friedhof besuchen?

 

Eindrücklich wie das Leben entsteht verwurzelt in den Toten und erweckt zu neuem Leben.

 

Wie das Weizenkorn das wir unsern Verstorbenen mitgeben in die Grabeserde oder der Schmetterling der über die Gräber fliegt uns zeigt wie aus der starren Puppe neues Leben entsteht. Wird er wohl darum Gottesvogel genannt

 

Der Friedhof ein Ort aller Religionen und Kulturen und heute für uns in dieser Feier im Zentrum unserer Aufmerksamkeit

 

Wie geht es Ihnen persönlich? Haben Sie Erlebnisse, welche Sie gerne behalten oder lieber vergessen möchten.

 

Vielleicht geht es ihnen ähnlich wie mir. Der Friedhof ist für mich ein Wandlungsort – ein Einfindungsort, ja ein Schutzort, weil ich hier öffentlich sein kann – mit meiner Trauer, mit meinem Schmerz, mit meinem Vermissen, mit meiner Dankbarkeit.

 

Ja es ist einer der wenigen öffentlichen Orten, wo ich auch meine Emotionen zeigen darf, wenn es um meine Trauer und meinen Abschied geht

 

Ein Willkommort – sie wie es Jesus im heutigen Evangelium sagt: „Ich werde Euch nicht abweisen!“

 

Wenn wir verankert im Glauben sind, dann werden wir noch mehr damit verbinden. Dann wird den Grabesort als ¨Tür, als Übergangsort erleben und die Symbole bekommen Sinn und Kraft.

 

-      So die Blumen, auf die Vorfreude des ewigen Lebens SO , das Kreuz, das im letzten nicht ein Todeszeichen, sondern ein Auferstehungszeichen ist – weil wir untrennbar mit der Geschichte von Jesus Christus verbunden sind, der durch den Tod in die Auferstehung ging!

 

 

 

Vor Kurzem bin ich in der Zeitschrift FAMA auf folgendes Zitat gestossen und habe mich dabei gefragt ob es nicht zufällig ist und das Thema Pause einen wichtigen Zusammenhang hat zum Friedhof?

 

„Die Pause braucht mich, um sich zu sammeln. Verstohlen hol ich aus ihrer entzündlichen Stille den Funken!“

 

Ja, der Friedhof ermöglicht mir eine besondere Pause zu machen. Denn hier steht die Welt still und ich darf inne halten – einfach sein.

 

Nehmen wir uns darum Zeit auf den Friedhof zu gehen , um aufzutanken – dort wo uns die wunderbare Geschichte liebgewordener Mitmenschen berührt und ausschmückend am Grab uns begegnet.

 

Wie wertvoll, dass alle diesen auch stillen Ort respektieren und achten – wohl auch, weil unsere Verstorbenen uns vorausgegangen sind – als Vorbilder und Lebensquellen im Leben und jetzt im Tod auf das Ewige zu.

Ohne solche Orte des Innehaltens, der Pause klingt mein Leben nicht, klinge ich nicht,, bin ich nicht entfaltet,

ich nicht mich, bin ich nur ein störendes zerknittertes Etwas weit entfernt von der Fülle meines Lebens und meines Liebens.

 

Ja, der Friedhof ist einer der letzten öffentlichen Orte, der von diesem Zauber in sich trägt und geachtet wird – im wahrsten Sinne des Wortes:

 

Friedhof – ein Ort des Friedens – geschützt und geborgen!

 

Abschluss

 

Du hast mich getröstet, mein Gott

Wie danke ich dir!

Alle Verfinsterung ist von mir gewichen. Alles ist gut zwischen dir und mir.

 

Zu Herzen genommen hast du meine Not, obwohl ich stumm war vor dir. Du bliebst bei mir.

Nachgegangen bist du mir, als ich mich dir immer mehr entzog.

Du hast mich getröstet, mein Gott. Ich bin nicht verlassen. Ich gehe weiter auf dem unbegreiflichen Weg, den du mich führst.

Und wie es in einem Liedtext heisst: Du bist mein Zufluchtsort. Ich berge mich in deiner Hand, denn du schütz mich, Gott. Wann immer mich Angst  befällt, traue ich auf dich. Ja, ich trau auf dich und sage: Ich bin stark in der Kraft Gottes!

 


Predigt

Gen 15,5-7

In jenen Tagen
führte Gott Abram hinaus und sprach:
Siehe zum Himmel hinauf,
und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst.
Und er sprach zu ihm:
So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
Abraham glaubte Gott und Gott sprach zu ihm:
Ich bin Gott der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu geben.
 
 


Besinnung
Sehr gerne will ich sie jetzt einladen in den kommenden Minuten dieses gehörte Wort aus der Bibel auf das eigne Leben wirken zu lassen.
Denn was hier Abraham erlebt, gehört zu den Urerfahrungen von uns Menschen. Zu den Ereignissen, die jedes und jeden von uns berühren kann.
Ja, vielleicht sind Sie auch einmal Nachts irgendwo weit draussen in der Natur nachts unterwegs gewesen und haben den sternenklaren Himmel betrachtet.
Das ganze Firmament mit den abermillionen Sternen ist ein gewaltiger Anblick, der sehr tief gehen kann.
 
Diese Tiefendimension kann mit einer mystischen Erfahrung verbunden sein.
Mit einem Berührtsein bis in die Seele hinein.
Einem Empfinden, das Staunen und gleichzeitig weinen lassen kann.
Das Wärme uns schenkt und uns hineinnimmt in ein Geheimnis, das keine Worte mehr kennt.
Ein Beben kann uns erfassen
Ein Staunen überkommen!
Das sind besondere Erfahrungen, die nicht alltäglich sind.
 
Doch die Begebenheit mit Abraham meint nicht nur diese besonderen Gnadenstunden. Sie will uns auch das ganz banale und Alltägliche Leben von uns vor Gott führen.
In diesen zutreffenden Bild vom Betrachten des Unversums, weil wir uns darin so unscheinbar und auch unbedeutend vorkommen. Wir sind wie ein kleines Sandkorn – verglichen mit der Unendlichkeit die wir erahnen.
Doch die Gottesbegegnung die Abraham macht ist auch uns geschenkt. Und Gott widerlegt dieses Sandkornempfinden.
 
Er hebt unser Leben Heraus aus der Versenkung und setzt es gleich mit den vielen Sternen im Universum, die zusammen ein Ganzes bilden.
Gott sagt uns heute: „ Deine Leben ist für mich Gott unersetzlich wertvoll und einmalig. Dein Leben ist eingebettet in meinen Schöpfungsplan. Was würde fehlen, wenn es dich als einzelnen Menschen ich gäbe. Was wäre, wenn Du nicht zum Himmel blicken würdest und die Sterne mit dir und deinem Leben in Verbindung bringen würdest?
Christus hat keine Hände, nur unsere Hände“ heisst es dazu in einem Gebet aus dem 4. Jahrhundert.
Es nimmt diese tiefe Erfahrung von Abraham auf und vernetzt sie mit dem Leben untereinander- so, dass jedes von uns aus diesem Verankertsein in Gott auf andere Menschen zugehen kann. Nicht aus einem moralischen Imperativ des der gebotenen Nächstenliebe, sondern aus der Herzenserkenntnis, dass alles leben eins ist. Dass alles Leben zusammenfliesst in Gott. Darum darf er mir am Herzen liegen , mich um den Mitmenschen zu kümmern, weil darin ich selbst verwoben bin:
Gerne möchte ich jetzt mit Ihnen zusammen einmünden in die mystische Dimension unseres Lebens. Dazu mögen nun die Worte abnehmen.
Sie mögen einen Brücke bilden – hiein in den nachfolgenen Klang – in die tragende Stille.
Hören, ja meditieren wir so Abrahams Begegenenheit und werden wir darin eins:
 
In jenen Tagen
führte Gott Abram hinaus
 
Dass Gott mich führt –hinausführt
Aus all dem Lärm und aus aller Hektik
Aus meiner eigenen Befangenheit und Gefangensein
 
Dies einfach als gegeben glauben
Als Bewegung immer mehr spüren!
 
 Und Gott spricht:
Siehe zum Himmel hinauf,
und zähl die Sterne, wenn du sie zählen kannst.
 
Meinen eigene Blick weiten
Hinauf an den Himmel wenden
Diese Weite
Dieser unendliche Raum
Diese Leere
Ein Weiten meiner Seele
Ein Öffnen meines Herzens
Ich lichte mich
Licht – in mir
Unendlich viel
Unendlich offen
Unendlich weit.
 
 
Und Gott berührt mich:
So zahlreich werden deine Nachkommen sein!
 
Mein Leben ist nicht in sich geschlossen
Mein Leben weist darüber hinaus
Mein Leben wird weitergeschenkt in die Zukunft
Meine Lebenskraft ist Teil der Geschichte von Gott mit uns Menschen
Mein Leben ist eingewoben im goldenen Tuch Gottes
Von Raum und Zeit
Jetzt in meinen Atem
Ganz da sein
Jetzt im Augenblick das Ganze empfangen
Jetzt leer werden
Mitte werden!
 
 
 
Abraham glaubte Gott und Gott sprach zu ihm:
Ich bin Gott der dich aus Ur in Chaldäa herausgeführt hat, um dir dieses Land zu geben.
 
Im Loslassen
Im Verlassen
Neuer Grund und Boden betreten
Fundament des Lebens spüren
Meinen Urgrund leben
der trägt
Raum erfahren
Der mich atmen lässt
 
Bernhard Stadler-Koster

   
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